Einfache Sprache

Zielgruppe: Fachverantwortliche, Web-Designer:innen
 
MOTIVATION

»Verwaltungsdeutsch« ist oft schwer verständlich. Viele Bürger:innen haben Schwierigkeiten beim Verstehen von amtlichen Briefen und Formularen. Dies betrifft nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Menschen, die Deutsch als Fremdsprache erlernt haben, sondern fast alle Bürger:innen. Ungewöhnliche Wörter und komplizierter Satzbau erschweren den Zugang zu Verwaltungsleistungen, führen zu Missverständnissen und falschen Angaben.

Auf den kleinen Anzeigeflächen mobiler Endgeräte ist es außerdem anstrengend, lange Texte zu lesen. Klare, kompakte und übersichtliche Formulierungen sind für mobile Endgeräte daher am geeignetsten.

Die Anforderung 3.1.5 der BITV 2.0 besagt: »Für jegliche Inhalte ist die klarste und einfachste Sprache zu verwenden, die angemessen ist.«

 
ZUSAMMENFASSUNG & EMPFEHLUNGEN

Schreiben Sie kurze, leicht verständliche Texte, die den Bürger:innen nur das mitteilen, was für sie an dieser Stelle wichtig ist. Details, rechtliche Ausführungen und Sonderfälle verlinken Sie besser.

Einfache Sprache verwendet einfache Grammatik, allgemeinverständliche Wörter und vermeidet komplexe Syntax, Fachwörter und Redewendungen. Einfache Sprache ist für etwa 95 Prozent der Menschen in Deutschland verständlich. (Diese Zahl fällt für verschiedene Auslegungen der Einfachen Sprache unterschiedlich aus.)

Lassen Sie die Texte Ihres Verwaltungsangebotes ausgiebig von Menschen mit unterschiedlichen Lesekompetenzen testen, denn Unverständnis führt zu Frust und Missverständnisse zu falschen Eingaben. Frühes Probelesen Ihrer Texte kann dies verhindern.

Weitere Menschen erreichen Sie, wenn Sie zusätzliche Varianten in Leichter Sprache, relevanten Fremdsprachen sowie mit Videos in Gebärdensprache zur Verfügung stellen. Ziehen Sie dies insbesondere bei Verwaltungsleistungen in Betracht, die entsprechende Zielgruppen haben.

 
DETAILS & BEISPIELE

Einfache Sprache orientiert sich an Richtlinien, die Sätze einfach, Grammatik unkompliziert und Wörter allgemeinverständlich halten. Indem Sie auf Redewendungen und Sprachbilder verzichten, hängt das Verständnis Ihrer Texte nicht vom kulturellen Hintergrund der Nutzer:innen ab.

Für Einfache Sprache gibt es kein einheitliches Regelwerk. Je nach Zweck und Zielgruppe eines Verwaltungsangebotes kann die Komplexität der Sprache unterschiedlich ausfallen.

Als erste Orientierung zur Einfachen Sprache hier ein paar grundlegende Leitsätze (Die meisten Beispiele stammen mit freundlicher Genehmigung aus dem »clarat-Handbuch Einfache Sprache«:

    schlecht   gut
Sätze maximal 12 Wörter lang Wir wollen gemeinsam mit Ihnen alles tun, um Ihre Hilfebedürftigkeit durch Integration in das Erwerbsleben zu beenden bzw. zu verringern. Wir möchten, dass Sie wieder Arbeit finden. Dann brauchen Sie weniger Hilfe vom Staat. Vielleicht brauchen Sie sogar keine Hilfe mehr. Wir möchten Ihnen gerne dabei helfen.
Subjekt-Prädikat-Objekt-Folge einhalten Vollständig ausgefüllte Anträge können eine schnellere Bearbeitung Ihres Anliegens ermöglichen. Ihr Anliegen kann schneller bearbeitet werden, wenn Sie einen vollständig ausgefüllten Antrag mitbringen.
Verben statt Substantive nutzen Zur Beantragung einer Geburtsurkunde beachten Sie das Mitbringen folgender Unterlagen. Um eine Geburtsurkunde zu beantragen, bringen Sie folgende Unterlagen mit.
Fremdwörter, Fachbegriffe und lange zusammengesetzte Wörter vermeiden, stattdessen gängige Begriffe benutzen (»Alltagsworte«) Ein Sozialpädagoge unterstützt Jugendliche, die nur schwer zu aktivieren sind, im Alltag. Die Hilfe wird aufsuchend angeboten. Jugendliche bekommen einen Betreuer, der sie oft besucht. Egal wo. Er spricht mit ihnen und hört ihnen zu. Er hilft ihnen dabei, gut alleine klarzukommen.
Aktiv formulieren Die Unterlagen werden erst bearbeitet, wenn die Krankenkarte vorgelegt worden ist. Erst müssen Sie die Krankenkarte vorlegen. Dann können die Mitarbeiter Ihre Unterlagen bearbeiten.
Sprachbilder vermeiden Mindestens genauso wichtig ist es aber, die Barrieren in den Köpfen der Menschen einzureißen. Mindestens genauso wichtig ist es aber, mit Menschen zu reden und ihnen dabei zu helfen, ihre Vorurteile abzubauen.
Konjunktiv vermeiden Es wäre besser, wenn du bei der Einweisung clean wärest. Nimm vor der Einweisung keine Drogen und trinke keinen Alkohol.
Freundliche Ansprache, positive Aussagen In Fällen von Hilfsbedürftigkeit leisten wir Unterstützung. Hast du Probleme im Alltag und suchst Hilfe? Hier bekommst du Hilfe.

UNTERSCHIED EINFACHE SPRACHE – LEICHTE SPRACHE

Einfache Sprache darf im Vergleich zur bekannteren Leichten Sprache etwas komplizierter sein. Die für das Verständnis nötige Lesekompetenz entspricht bei Leichter Sprache der ersten bis zweiten Grundschulklasse, bei Einfacher Sprache der dritten bis vierten Klasse. Eine Gegenüberstellung macht die Unterschiede deutlich:

Auszüge aus der 96-seitigen Broschüre »Das Persönliche Budget für Menschen mit Behinderungen - Gute Beispiele aus der Praxis« des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, die in allen drei Sprachformen angeboten wird.

«Normale« Sprache

»Seit dem 1. Januar 2008 besteht in der gesamten Bundesrepublik Deutschland ein Rechtsanspruch behinderter Menschen auf die Ausführung von Rehabilitations- und Teilhabeleistungen in Form Persönlicher Budgets.«

Einfache Sprache

»Seit dem 1. Januar 2008 hat in Deutschland jeder behinderte Mensch das Recht, Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe als Persönliches Budget zu bekommen. Immer mehr Menschen bekommen das Persönliche Budget bewilligt. Es gibt aber auch Menschen, die kein Persönliches Budget möchten. Zum Beispiel, wenn jemand gern im Wohn-Heim wohnt und möchte, dass alles so bleibt, wie es ist.«

Leichte Sprache

»Seit dem 1. Januar 2008 haben Menschen mit Behinderungen in Deutschland das Recht auf das Persönliche Budget.Immer mehr Menschen nutzen heute dieses Recht.

Sie haben das Persönliche Budget beim Amt beantragt und dann auch bekommen.

Niemand muss das Persönliche Budget nehmen. Es gibt auch Menschen, die kein Persönliches Budget haben möchten. Zum Beispiel, wenn sie mit ihrem Pflege-Dienst zufrieden sind.«

 
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Folgende weiterführende Informationen und Beratungsangebote helfen Ihnen, Einfache Sprache für Ihr Verwaltungsangebot passend umzusetzen.

Das »Handbuch Einfache Sprache« von Julia Naji und der Benckiser Stiftung Zukunft ist empfehlenswert, um mehr über die Anwendung der Einfachen Sprache zu lernen.

Darüber hinaus beschäftigen sich weitere Handreichungen mit Sprache der Verwaltung, allerdings mit Leichter Sprache oder mit »bürgernaher Verwaltungssprache«. Viele der Hinweise sind jedoch übertragbar.

Für Fragen und individuelle Beratung gibt es eine Vielzahl von Fachstellen zu Einfacher und Leichter Sprache in Deutschland. Als erste Anlaufstelle eignen sich die Sozialverbände wie Lebenshilfe, Diakonie oder AWO, die zum Teil eigene Sprachbüros haben oder zumindest weitervermitteln können. Darüber hinaus gibt es deutschlandweit Unternehmen, die auf die Beratung zu Einfacher Sprache spezialisiert sind.