Worauf Sie bei der Entwicklung achten sollten

Autoren: Christian Welzel, Philipp Martin
Zielgruppe: IT-Verantwortliche, Entwickler:innen, Web-Designer:innen
 
MOTIVATION

Verwaltungsangebote auf mobilen Endgeräten bieten eine hohe Zugänglichkeit. In den letzten Jahren sind daher diverse Verwaltungsangebote für mobile Systeme entstanden, oftmals als Ergänzung zu bereits existierenden E-Government-Lösungen. Da parallele IT-Angebote wesentlich aufwändiger in der Wartung und Pflege sind, sollten Sie bereits zu Beginn darauf achten, möglichst nur eine Lösung zu entwickeln. Wenn Sie nach dem Prinzip »Mobile First« agieren, also zuerst eine mobile Lösung konzipieren, können Sie viele Synergien nutzen. Zum einen sind mobilfähige Web-Lösungen grundsätzlich auch mit weiteren relevanten Geräteklassen nutzbar, also beispielsweise Desktop-PCs, Laptops etc. Zum Zweiten bietet der »Mobile First«-Ansatz einen guten Ausgangspunkt, um bestehende Prozesse und Abläufe zu überdenken und an die digitale Welt anzupassen. (Mehr dazu finden Sie im Abschnitt: »Agile und nutzerzentrierte Gestaltung von Verwaltungsleistungen«)

 
ZUSAMMENFASSUNG & EMPFEHLUNGEN

Eine grundsätzliche Entscheidung müssen Sie bereits zu Beginn der Konzeption treffen, nämlich ob Sie eine native oder eine Web App entwickeln wollen.

Empfehlung: Entwickeln Sie wenn möglich eine Web App.

Für die meisten Fälle im Verwaltungskontext ist eine Web App die richtige Wahl. Denn Web Apps werden im Browser genutzt und können zugleich die Funktion einer Webseite übernehmen. Mit diesem Ansatz nutzen Sie daher die meisten Einsparpotenziale.

Für eine native App sollten Sie sich nur in Ausnahmefällen entscheiden, beispielsweise wenn Sie besondere Anforderungen haben oder komplexe 3D-Berechnungen auf den Geräten der Nutzer:innen durchführen.

Empfehlung: Verwenden Sie gängige Gestaltungselemente.

Bei der Gestaltung Ihres mobilen Angebotes sollten Sie sich an gängigen Darstellungsformen orientieren, indem Sie beispielsweise das sogenannte »Hamburger-Menü« verwenden und Interaktionselemente deutlich hervorheben und beschriften. Nutzen Sie zusätzlich Sprungmarken, um schnell wieder zum Kopf einer Webseite zu gelangen. Verzichten Sie auf klassische Mausfunktionen wie MouseOver-Effekte oder ein Kontextmenü über die rechte Maustaste.

Empfehlung: Gehen Sie sparsam mit der Datenübertragung um.

Mobile Anwendungen werden häufig auch über das Mobilfunknetz genutzt. Beachten Sie dabei, dass nicht jeder Nutzer überall eine mobile Breitbandverbindung hat. Reduzieren Sie daher die Datenübertragung zwischen Endgerät der Nutzer:in und Webserver auf ein Minimum. Nutzen Sie die Möglichkeiten des Cachings, sodass Ihr Angebot, wenn möglich, auch offline genutzt werden kann. Testen Sie, wie Ihr Angebot sich bei einer langsamen Internetverbindung verhält.

Empfehlung: Denken Sie Sicherheit von Beginn an mit.

Verschlüsseln Sie die komplette Kommunikation zwischen Endgerät der Nutzer:in und dem Webserver mit aktuellen Verfahren, beispielsweise TLS 1.2 oder höher. Überprüfen Sie, wie robust Ihr Angebot gegen zumindest die gängigsten Angriffsvarianten ist.

Achten Sie außerdem bereits bei der Konzeption auf grundlegende Sicherheitsfunktionen. Planen Sie einen Sicherheitstest ein, indem Sie zumindest typische Angriffsvarianten wie Abhören unverschlüsselter Kommunikation, SQL-Injection oder Cross-Site Scripting testen. Prüfen Sie außerdem, ob Passwörter in Datenbanken verschlüsselt vorliegen. Diese Maßnahmen sind auch mit geringem Budget möglich.

 
DETAILS & BEISPIELE

In den folgenden Abschnitten erfahren Sie,

APP ODER WEB?

Eine der ersten technischen Fragestellungen, die Sie beantworten müssen, lautet: Entwickeln Sie eine App, ein mobilfähiges Webangebot oder eine Mischform? Die Antwort hängt, wie so oft, vom Anwendungsfall ab und kann deswegen nicht pauschal gegeben werden. Zur Orientierung finden Sie daher im Folgenden zu jeder Option die wesentlichen Vor- und Nachteile.

Native Apps

Native Apps sind Anwendungen, die speziell für eine Plattform, beispielsweise iOS oder Android, entwickelt wurden. Sie können über die App-Stores der Plattformanbieter installiert werden. Für die Entwicklung werden speziell von den Plattformanbietern bereitgestellte Werkzeuge und Frameworks verwendet(Mit Frameworks sind hier vor allem Klassenbibliotheken und Entwicklungskonzepte gemeint.).

  Vorteile:
  • Voller Funktionsumfang: 
    Mit nativen Apps kann der volle Funktionsumfang von Endgerät und Plattform genutzt werden.
  • Nahtlose Integration: 
    Native Apps bieten eine nahtlose Integration in das Gerät der Nutzer:in an. So können alle Sensoren des Geräts benutzt sowie andere installierte Apps unterstützt werden, beispielsweise die Funktion »Senden an«.
  • Barrierefreiheit: 
    Native Apps bieten die Möglichkeit, alle Funktionen der Barrierefreiheit zu nutzen, die das Gerät, das Betriebssystem oder ergänzende Apps anbieten.
  • Optimiert für die Plattform: 
    Eine App wird in der Regel für eine Plattform optimiert, das heißt, sie kann die volle Leistungsfähigkeit des Endgerätes nutzen, was insbesondere für rechenintensive Anwendungen wie 3D-Berechnungen wichtig ist.
  • Direkte Rückmeldungen: 
    App-Stores bieten weitere Funktionen, wie Nutzungsstatistiken oder Community-Bewertungen, für eine App an. So können Rückmeldungen der Nutzer:innen unmittelbar erfolgen, sind jedoch auch für alle sichtbar.
  Nachteile:
  • Native Apps sind ressourcenaufwändiger: 
    Native Apps müssen für jede Plattform separat entwickelt werden. Wenn Sie den Großteil der Nutzer:innen erreichen wollen, müssen Sie also mindestens eine App für iOS und eine zweite für Android entwickeln. Das heißt, Sie benötigen Entwickler:innen für beide Systeme. Damit ist es nicht getan. Denn parallel müssen Sie meist auch ein Web-Angebot für PC- oder Laptop-Nutzer:innen bereitstellen. Alle Systeme müssen parallel gepflegt und gewartet werden.
  • App-Store-Vorgaben: 
    Damit Ihre Apps in den App-Store gelangen, müssen Sie sich nach den Vorgaben des App-Store-Betreibers richten. Dieser legt fest, welche Inhalte in Apps erlaubt sind und behält sich vor, Apps aus dem App-Store zu entfernen.
  • Regelmäßige Aktualisierungen notwendig: 
    Die Innovationszyklen bei mobilen Endgeräten sind sehr kurz. Die Betriebssystemhersteller bringen im Durchschnitt jedes Jahr eine neue Version ihres Betriebssystems heraus. Sie müssen Ihre Apps daher regelmäßig aktualisieren, um neue Funktionen zu nutzen oder ihre App an geänderte Schnittstellen anzupassen.
  • Installation notwendig: 
    Ein Nutzer muss Ihre App explizit aus dem App-Store herunterladen, um sie nutzen zu können. Dies stellt für einige Nutzer eine zusätzliche Hürde dar, da sie entweder die technischen Fähigkeiten nicht besitzen oder explizit keine bzw. so wenig wie möglich Apps installieren wollen. Außerdem lohnt es sich für viele Nutzer nicht, für eine seltene oder einmalige Angelegenheit eine App zu installieren.

Aus den Vor- und Nachteilen wird deutlich, dass die Entscheidung für eine native App gewichtige Konsequenzen nach sich zieht. Die Aufwände für die initiale Entwicklung und die weitere Pflege und Wartung müssen Sie daher von Beginn an berücksichtigen und idealerweise in Ihre Budgetplanung einbeziehen.

Waren native Apps gerade zu Beginn der Smartphone-Zeit das Mittel der Wahl, so geht der Trend heute in Richtung Web App. Mit modernen Technologien und internationalen Standards können Sie Web-Angebote entwickeln, die einen vergleichbaren Funktionsumfang wie eine App bieten. Der große Vorteil dabei: Ein Web-Angebot ist plattformübergreifend nutzbar.

Web Apps

Web Apps sind Webseiten, die so gestaltet sind, dass Nutzer:innen den Eindruck haben, eine Anwendung zu bedienen. Mobilfähige Web Apps zeichnen sich dadurch aus, dass sich ihre Oberfläche automatisch an die Displaygröße anpasst. Die Gestaltung solcher sich selbst anpassender Webseiten wird auch responsives Design genannt. Um Web Apps verwenden zu können, benötigen die Nutzer:innen lediglich einen Browser, der bestimmte technische Standards, wie HTML5, unterstützt. Dies ist bei nahezu allen aktuellen Browsern der Fall.

Der Ansatz von Web Apps wird immer weiter verfeinert. Sogenannte Progressive Web Apps können auch ohne Internetverbindung (also offline) genutzt werden. Auf mobilen Endgeräten können sie mit einem Icon auf dem Startbildschirm hinterlegt werden, sodass sie sich nahtlos in die Liste installierter Apps einreihen. Progressive Web Apps werden von den gängigen Betriebssystemen (unter anderem iOS, Android, Windows, Linux) und Browsern (unter anderem Firefox, Chrome, Safari, Edge) unterstützt.

  Vorteile:
  • Geringerer Aufwand: 
    Web Apps müssen nur einmal entwickelt werden und sind dann auf mobilen Geräten ebenso wie auf PCs oder Laptops nutzbar. Dies erfordert zwar initial leicht höhere Aufwände in der Entwicklung, erleichtert aber die Wartung, Pflege und Weiterentwicklung massiv.
  • Höhere Unabhängigkeit: 
    Web Apps sind unabhängig von einem konkreten Gerätehersteller oder Plattformanbieter. Sie können daher Ihre Anwendung wesentlich unabhängiger von den Update-Zyklen der Hersteller weiterentwickeln.
  • Ohne Installation nutzbar: 
    Web Apps werden wie normale Webseiten über einen Browser aufgerufen. Sie müssen nicht installiert werden, sodass Sie Ihre Anwendung unabhängig von den Vorgaben der App-Store-Betreiber entwickeln und anbieten können.
  Nachteile:
  • Etwas geringerer Funktionsumfang: 
    Mit Web Apps können bereits viele Funktionen nativer Apps genutzt werden, beispielsweise Zugriff auf Standortinformationen, Kamera und QR-Code-Erkennung, Offline-Nutzung oder Animationen. Dies hat jedoch seine Grenzen. Spezielle Funktionen der Plattformen, wie die Integration in andere Apps, beispielsweise eine Funktion »Senden an …«, sind nicht möglich.
  • Geringere Performance: 
    Im Vergleich zu nativen Apps haben Web Apps eine etwas geringere Performance, da sie in einem Browser laufen. Dies ist jedoch für die meisten Anwendungsfälle nicht relevant. Lediglich bei komplexen Hardware-Anforderungen, z. B. bei einer aufwändigen 3D-Berechnung oder Bildbearbeitung, kann die geringere Performance spürbar werden.
Mischformen

Um die Vorteile sowohl nativer als auch von Web Apps zu kombinieren, gibt es unterschiedliche Mischformen. Bestimmte Frameworks für die Software-Entwicklung ermöglichen es, eine App einmal zu entwickeln und dann für unterschiedliche mobile Betriebssysteme bereitzustellen. Benötigen Sie zusätzlich zum mobilen Angebot auch eine Webseite für PC oder Laptop, dann müssen Sie bei diesem Ansatz jedoch weiterhin ein Web-Angebot parallel entwickeln.

Ein weiterer Ansatz sind sogenannte hybride Apps. Für Funktionalität und Inhalt wird dazu eine Web App entwickelt. Zusätzlich wird eine kleine native App entwickelt, die als Browser fungiert und lediglich die Web App anzeigt. Solche Container-Apps sind nicht unkritisch. Im App-Store von Apple beispielsweise werden reine Container-Apps abgelehnt. Außerdem erwarten Nutzer von einer nativen App mehr als die Darstellung einer Webseite, sodass dieser Ansatz nicht selten zu negativen Bewertungen in den App-Stores führt.

Empfehlung

Die Entscheidung, ob Sie eine native oder eine Web App entwickeln, sollten Sie individuell für jede Anwendung treffen. Hybride Apps sollten Sie wenn möglich vermeiden. Für die meisten Anwendungsfälle, insbesondere im Verwaltungsbereich, ist eine Web App die richtige Wahl. Web Apps sind unabhängig von spezifischen Plattformen, die Anwendung muss nur einmal entwickelt und gepflegt werden und Sie haben zugleich ein volles Web-Angebot für klassische Desktop-PC-Nutzer:innen dabei.

Die Option einer nativen App sollten Sie erst dann in Erwägung ziehen, wenn Sie eine der folgenden Fragen mit »Ja« beantworten:
  • Handelt es sich um eine 3D-Anwendung, beispielsweise Darstellung von 3D-Welten, Objekterkennung, Augmented Reality?
  • Benötigt die App Zugriff auf spezielle Hardware? Wollen Sie etwa eine biometrische Identifikation mit dem mobilen Gerät durchführen und beispielsweise FaceID oder einen eingebauten Fingerabdruckscanner nutzen?
  • Sollen App-übergreifende Funktionen genutzt werden? Beispielsweise »Datei senden an«?
  • Erfordert die App die Speicherung sehr großer Datenmengen auf dem mobilen Endgerät?

Ansonsten entscheiden Sie sich eher für eine Web App.

WORAUF SIE BEI DER KONZEPTION ACHTEN SOLLTEN

Nachdem Sie die Entscheidung über Web oder native App getroffen haben, geht es daran, Ihr künftiges Online-Angebot inhaltlich auszugestalten. Sicherlich haben Sie schon viele Ideen, was Ihre App leisten soll. Für die Konzeption und Entwicklung sollten Sie sich an einem einfachen Prinzip orientieren: Entwickeln Sie Schritt für Schritt. Fangen Sie klein an. Starten Sie mit der wesentlichen Funktion und lassen Sie alle weiteren Funktionen zunächst außen vor.

Testen Sie die App bereits von Beginn an mit Nutzer:innen und verbessern Sie sie kontinuierlich. Wird die App von den Nutzer:innen angenommen und genutzt, können Sie nach dem gleichen Schema Schritt für Schritt weitere Funktionen hinzufügen. Dieses agile Vorgehen stellt das Vergabeverfahren zwar manchmal vor Herausforderungen, bietet jedoch erhebliche Vorteile.

Durch das frühe Einbinden der Nutzer:innen können Sie Ihre App wesentlich passgenauer entwickeln, was die Chance massiv erhöht, dass Ihre App später von den Nutzer:innen auch tatsächlich angenommen wird. Durch die Konzentration auf eine, nämlich die wesentliche Funktion hat Ihre App einen klaren Fokus und macht zugleich Ihre finanziellen Aufwände und Risiken insbesondere zu Beginn des Projektes überschaubar. Gestalten Sie Ihre App nach dem Credo: »Je häufiger die App genutzt werden soll, desto kleiner sollte der Funktionsumfang sein.« Wie Sie Ihre Anwendung agil und nutzerzentriert entwickeln, können Sie im Abschnitt »Agile und nutzerzentrierte Gestaltung« im Detail nachlesen.

Das bedeutet auch, dass Sie anstatt einer universellen App, wie etwa einer App für alle digitalen Verwaltungsleistungen, besser viele kleine Apps entwickeln, die die Nutzer dann aus einem übergreifenden Portal heraus finden und starten können. Dieser Ansatz passt zum Online-Zugangsgesetz und dem darin verankerten Portalverbund, über den alle Verwaltungsleistungen abrufbar sein sollen.

Worauf sollten Sie noch achten? Im Folgenden geben wir Ihnen ein paar Anregungen.

GESTALTUNG UND BENUTZERFREUNDLICHKEIT

Der Erfolg einer App hängt wesentlich von ihrer Gestaltung und Benutzerfreundlichkeit ab. Dabei geht es nicht nur darum, die Gestaltung der App zu optimieren, sondern möglichst das komplette Nutzererlebnis zu betrachten. Das bedeutet, den kompletten Prozess der Verwaltungsleistung ins Blickfeld zu nehmen.

Haben Sie sich für eine native App entschieden, orientieren Sie sich an den Gestaltungsvorgaben der jeweiligen Plattform. Nutzer:innen erwarten von einer nativen App, dass sie sich genauso steuern lässt wie andere Apps auf dem Gerät. Hier gibt es Unterschiede zwischen den zwei großen mobilen Betriebssystemen iOS und Android, beispielsweise in der Navigation, dem Zurück-Button etc.

Haben Sie sich für eine Web App entschieden, orientieren Sie sich an Darstellungsformen, die die Nutzer:innen von mobilen Webseiten gewohnt sind. Nehmen wir das Beispiel der Menüführung: Responsive Web-Angebote passen ihr Erscheinungsbild an die Bildschirmgröße des Endgerätes an. Auf kleinen Bildschirmen wird das Navigations-Menü hinter einem Knopf mit drei horizontalen Strichen dargestellt, dem sogenannten »Hamburger«-Menü-Icon. Beschriften Sie zusätzlich das Icon, damit es auch Nutzer:innen verstehen, die nicht regelmäßig mobile Webseiten nutzen.

Unterschiedliche Darstellungen des »Hamburger«-Menü-Icon«. Richtige Darstellung: 3 Querstreifen übereinander plus Text: Menü
Unterschiedliche Darstellungen des »Hamburger«-Menü-Icon«

Auch die Frage, wie die Navigation inhaltlich strukturiert werden soll, ist nicht trivial. Ein möglicher Ansatz ist die sogenannte Card-Sorting-Methode. Hierfür schreiben Sie alle Menüpunkte auf Kärtchen und lassen sie von unterschiedlichen Nutzer:innen sortieren. So erhalten Sie einen guten Eindruck, wo Ihre Nutzer Funktionen erwarten. Achten Sie darauf, dass Menüs nicht mehr als 4 bis 5 Untermenüpunkte beinhalten.

Darüber hinaus sollten Sie bei der Gestaltung auch auf die folgenden Punkte achten:

  • Interaktionselemente deutlich hervorheben: 
    Alle klickbaren Bedienelemente sollten für die Nutzer:innen erkennbar und komfortabel bedienbar sein. Das heißt, Bedienknöpfe mithilfe von Text und Gestaltung, z. B. Farben und Umrandung, eindeutig auszuzeichnen und von anderen Gestaltungselementen abzuheben. Zudem sollten Sie alle Bedienelemente ausreichend groß gestalten, sodass sie auch mit ungeübten Fingern auf Touchscreens genutzt werden können.
    Beispiel für die Gestaltung von Bedienelementen. Richtige Darstellung: Ausreichend großes Bedienelement mit Umrandung und Beschriftung.
    Beispiel für die Gestaltung von Bedienelementen
  • Sprungmarken verwenden: 
    Webseiten, die deutlich länger als eine Bildschirmseite sind, sollten mit beschrifteten Sprungmarken (Link nach oben) versehen werden.
    Beispiel für eine Sprungmarke. Ausreichend großes Bedienelement mit Umrandung. In der Mitte befindet sich ein Dreick mit der Beschriftung: Zum Anfang.
    Beispiel für eine Sprungmarke
  • Keine Mausfunktionen: 
    Verzichten Sie bei Web Apps auf Effekte, die nur mit klassischen PCs nutzbar sind. Dazu gehören etwa MouseOver-Effekte, Tooltips oder Kontextmenüs (»Rechtsklick«), die nur per Maus bedienbar sind.
  • Unterstützung von Touch-Gesten: 
    Mit der zunehmenden Verbreitung von Touchscreens hat sich auch eine Reihe von Touch-Gesten etabliert, wie beispielsweise das Wischen oder der 2-Finger-Zoom. Diese Gesten können Ihnen helfen, Ihr Angebot noch benutzerfreundlicher zu gestalten. Mit der Verwendung moderner Web-Entwicklungswerkzeuge (sogenannter Web-Frameworks) für das responsive Design haben Sie diese Unterstützung oftmals automatisch dabei. Entwerfen Sie keine neuen Gesten und funktionieren Sie keine bestehenden Gesten um.
  • Gemeinsames Erscheinungsbild sicherstellen: 
    Wenn Sie mehrere Apps oder Webseiten entwickeln, ist es sinnvoll, übergreifende Gestaltungsrichtlinien zu erarbeiten. Dies muss kein umfangreiches Konzept sein, sondern es reicht, kurz und verständlich grundlegende Gestaltungsregeln festzulegen. Eine Regel sollte zum Beispiel sein, dass Ihre Apps und Webseiten gleiche bzw. ähnliche Gestaltungselemente verwenden. Eine hohe Wiedererkennbarkeit erleichtert die Bedienung und fördert das Vertrauen in Ihre Verwaltungsangebote.

DATENÜBERTRAGUNG GERING HALTEN

Mobile Anwendungen werden häufig auch über das Mobilfunknetz genutzt. Beachten Sie dabei, dass nicht jeder Nutzer überall eine mobile Breitbandverbindung hat.

  • Langsame Internetverbindung testen: 
    Testen Sie Ihre Apps unbedingt mit einer langsamen Internetverbindung. Ihre App sollte auch mit einer GPRS- oder Edge-Verbindung (2G) flüssig laufen.
  • Offline-Fähigkeit: 
    Ihre App sollte, wann immer möglich, auch offline funktionieren. Auch Web Apps sind ohne ständige Internetverbindung verwendbar, wenn die Nutzer:in sie einmal geladen hat. Nutzen Sie den Cache (lokaler Speicher auf dem Gerät), wann immer möglich.
  • Schlanke API-Calls: 
    Irgendwann benötigt Ihre App trotzdem eine Internetverbindung. Optimieren sie die Datenverbindungen und Schnittstellen (API-Calls), indem Sie nur das Nötigste senden und empfangen und so die Datenvolumen gering halten.

SICHERHEIT

Ihre Nutzer werden eine App nur annehmen, wenn sie Vertrauen in die Lösung haben. Deshalb sollten Sie auf einige grundlegende IT-Sicherheitsmaßnahmen achten:

Verschlüsselung der kompletten Datenübertragung
  • Web App: 
    Verschlüsseln Sie die Kommunikation ihrer Webseite und der Web App. Verwenden Sie die internationalen Standards TLS 1.2 oder TLS 1.3. Kostenlose Verschlüsselungszertifikate bekommen Sie beispielsweise bei Let's Encrypt: https://letsencrypt.org/
  • Native App: 
    Auch für native Apps gilt: Jegliche Kommunikation über das Internet muss verschlüsselt werden. Hierfür können Sie wie bei Web Apps mit Verschlüsselungszertifikaten arbeiten. Auch die Entwicklungs-Frameworks der Plattformanbieter enthalten entsprechende Funktionen, die einfach zu nutzen sind.
Sicherheitsvorgaben beachten

Natürlich sollten Sie die aktuellen Sicherheitsvorgaben beachten. Erste Anlaufstelle für Verwaltungen ist das BSI mit seinem IT-Grundschutzkatalog. Insbesondere der Baustein »Mobile Anwendungen« ist in diesem Kontext relevant.

Auch bei den Herstellern der Betriebssysteme gibt es Empfehlungen, die man beachten sollte:

Sicherheit testen

Mit einer professionellen Sicherheitsüberprüfung oder sogenannten Penetrations-Tests können viele Schwachstellen gefunden werden. Diese sind jedoch sehr zeit- und kostenaufwändig. Doch auch mit geringem Budget kann man einige Basistests durchführen. Bevor Sie Ihre App veröffentlichen, führen Sie zumindest einfache Netzwerktests durch. Ein Entwickler sollte etwa die Verschlüsselung jeglicher Netzwerkkommunikation der App prüfen, was mit freien Werkzeugen wie beispielsweise Wireshark problemlos möglich ist.

BESONDERE FUNKTIONEN MOBILER ENDGERÄTE

Smartphones und Tablets sind nicht nur mobiler als Laptops und PCs. Sie verfügen zusätzlich über vielfältige Sensoren, meist über einen GPS-Sensor zur Lokalisierung oder über Bewegungs- und Lagesensoren. Mit diesen Sensoren können mobile Verwaltungsangebote noch benutzerfreundlicher und barriereärmer gestaltet werden.Anhand des aktuellen Standortes können Nutzer:innen lokal relevante Informationen erhalten, beispielsweise Daten zum örtlichen Flächennutzungsplan oder Informationen zu lokalen Bügerbeteiligungsverfahren oder Mängelmeldern.

Nutzer:innen müssen zuvor jedoch die Freigabe der Standortinformationen zulassen. Bei nativen Apps erfolgt dies entweder bei der Installation oder in der App. Bei Web Apps erscheint ein Freigabefenster im Browser. Als Anbieter müssen Sie den Nutzer:innen eine verständliche Erklärung liefern, wofür die App Standortinformationen benötigt und wie diese verarbeitet werden.

Anregungen, wie Sie Ihr mobiles Angebot möglichst barrierearm gestalten können, finden Sie im Abschnitt: Barrierearmut & Barrierefreiheit

Darüber hinaus sind weitere Smartphone-Funktionen interessant, die Sie je nach Anwendungsfall sinnvoll einbinden können. Dazu zählen unter anderem:

  • Kamera: 
    beispielsweise um Fotos zu senden, für Objekterkennung oder um QRCodes zu scannen
  • Mikrofon: 
    beispielsweise zur Sprachsteuerung
  • Bewegungs- und Lagesensoren: 
    beispielsweise zur Ermittlung von Schlaglöchern
  • Biometrische Sensoren: 
    Beispielsweise zur Identifikation der Nutzer:innen. (Nur mit nativen Apps nutzbar)
  • NFC (Near Field Communication): 
    bezeichnet eine Technologie, mit der über kurze Distanzen Informationen ausgetauscht werden können. NFC kann genutzt werden, um beispielsweise automatisch Links zu öffnen oder Kontaktinformationen auszutauschen. (Nur mit nativen Apps nutzbar.)

Für diese Funktionen gibt es vielfach bereits wiederverwendbare Module, die Sie in Ihren Apps nutzen können. Dabei muss jedoch sorgfältig darauf geachtet werden, dass die Module vertrauenswürdig sind, also beispielsweise keine unerwünschten Daten an Dritte senden.

Auch die eID-Funktion des Personalausweises kann mit vielen Smartphones bereits mobil genutzt werden. So können Sie eine eindeutige Identifikation der Nutzer:innen sicherstellen oder Schriftformerfordernisse erfüllen.

Auch wenn die Sensoren und Funktionen in mobilen Geräten viel Potenzial für neue Anwendungen bieten, sollten Sie jedoch darauf achten, dass diese Funktionen immer nur optional sind. Denn nicht alle Geräte bieten diese Funktionen gleichermaßen. Auch müssen Sie damit rechnen, dass Nutzer:innen nicht bereit sind, Ihrer App Zugriff auf Sensoren oder Funktionen zu gewähren. In diesen Fällen sollte die App möglichst trotzdem funktionsfähig sein.

 
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Weiterführende Informationen zur Gestaltung von Webseiten finden Sie unter anderem hier:

Zum Thema IT-Sicherheit finden Sie hier weiterführende Informationen:

Hier finden Sie Sicherheitsempfehlungen der jeweiligen Plattformbetreiber: